Häufig gestellte Fragen

 

 01  
 
Was ist die Repertory Grid Technik?

 

Repertoiry Grid Technik ist eine Methode, mit der man besonders gut unbewusstes Wissen erheben kann. Gerade wenn es

  • um die stillen Bedürfnisse von KundInnen,

  • um das schwer kommunizierbare Erfahrungswissen der MitarbeiterInnen oder

  • um die zugrundeliegende Unternehmenskultur und Werte

geht, kommen Repertory Grids zum Einsatz, um Tiefenwissen zu erheben.

Durch eine spezielle Fragetechnik (Triade) gelingt es mit dieser Methode jenes Wissen kommunizierbar zu machen, das bei normalen Interviews oder Fragebögen meist verborgen bleibt. Oft ist es aber genau dieses unbewusste Wissen, das unsere Entscheidungen oder Handlungen leitet!

Da die Methode völlig inhaltsoffen ist, lässt sich auf so gut wie alle Lebens- und Organisationsthemen anwenden. Die Methode wird nur durch die Auswahl der Elementen angepasst, um das Wissen zu einem entsprechenden Thema zu erheben. Elemente können ganz vielfältig sein: Produkte, Marken, Personen, Prozesse, Situationen u.v.m., an denen die befragten Personen ihre jeweils zu erhebende Erfahrung oder das Wissen festmachen, z.B.

  • kritische Situationen im Kundenkontakt, wenn es um das Erfahrungswissen von KundenbetreuerInnen geht oder

  • verschiedene Projekte, wenn es um die Erfahrung von ProjektleiterInnen geht oder

  • verschiedene Marken, wenn es um die Wahrnehmung einer Marke im Verhältnis zu Konkurrenzmarken geht.

 

Als Gegengewicht zur völligen Inhaltsoffenheit besitzen die Grids eine strenge Syntax, d.h. einen stark durchstrukturierten Befragungsprozess. Das ist entscheidend, damit keine Vorannahmen der Interviewerin oder des Interviewers das erhobene Wissen verfälschen. Die Art der Befragung wird sehr oft von den Befragten als sehr spannend erlebt, weil es "mal etwas anderes" ist oder weil es selbst zum Nachdenken und im Idealfall zu eigenen "Aha-Effekten" führt.

 

Die Ergebnisse, die mittels Repertory Grids erhoben werden, sind sowohl qualitativer als auch quantitativer Natur. Einerseits können nur auf qualitativem Weg wirklich neue Einsichten und neues Wissen erhoben werden. Gleichzeitig lassen sich die qualitativen Ergebnisse dennoch mittels statistischen Analysen auswerten und grafisch darstellen. Die Repertory Grids vereinen die positiven Aspekte aus dem qualitativen und dem quantitativen Befragungsansatz.

Entstehungsgeschichte und theoretischer Hintergrund

Die Repertory Grids wurden von George A. Kelly in den 1950er Jahren entwickelt als Methode zu der von ihm dargelegten Psychologie persönlicher Konstrukte (engl. Personal Construct Psychology, kurz PCP). Ausgehend von einem konstruktivistischen Weltbild geht Kelly davon aus, dass für jede Situation in der Welt immer verschiedene alternative Sichtweisen gibt (konstruktiver Alternativismus). Diese Sichtweisen sind einerseits von Mensch zu Mensch verschieden (deshalb personal constructs), nämlich abhängig von den bisherigen Erfahrungen, die ein Mensch in seinem Leben gemacht hat. Andererseits können sich diese Sichtweisen auch bei einem einzelnen Menschen im Laufe seines Lebens immer wieder verändern, d.h. Erfahrungen können immer wieder neu konstruiert werden. Damit würde man die Psychologie heute als positive Psychologie bezeichnen.

Die persönlichen Konstrukte, die mittels Repertory Grids erhoben werden, sind die Art und Weise eines Menschen, seine Welt zu sehen. Sie machen die Persönlichkeit eines Menschen aus, sie sind das Bewertungssystem, mit dem Erfahrungen beurteilt werden. Sie öffnen bestimmte Handlungswege und verschließen andere.

Bei Organisationen verhält sich das ähnlich: den Kern einer Organisation machen ebenfalls grundlegende Konstrukte aus, die aus (organisationaler) Erfahrung gelernt wurden. Das ist das, was man typischerweise organisationale Identität und Kultur nennt. Auch diese organisationalen Konstrukte öffnen den Blick für manche Handlungswege und verschließen den für andere.

Durch die Wissenserhebung mit Grids kann sichtbar gemacht werden, was das Erfahrungswissen einer Expertin oder eines Experten ausmacht, warum sie oder er so effektiv sind (z.B. in der Kundenbetreuung oder im Projektmanagement) oder welche Konstruktionen mit einem beliebten Produkt oder einer beliebten Marke verbunden werden. Diese Erhebung ermöglicht es, dieses Wissen anschließend weiterzugeben. Es kann auch erhoben werden, welche Werte eine Organisation im Kern zusammenhält und wie diese sichtbar werden - und zwar jene Werte, die gelebt werden und nicht jene, die nur "auf dem Papier" stehen.

Grids sind aber nicht nur eine Erhebungsmethode, um Wissen weiterzugeben, sondern auch um den Startpunkt für eine Veränderung zu schaffen. Welche Konstrukte sind nicht mehr hilfreich, welche verschließen Wege, die man aber gehen möchte? Welche Konstrukte unterstützen die Veränderung? Das Verändern hat immer auch mit Loslassen zu tun. Loslassen funktioniert aber nur, wenn Altes gewertschätzt wird und neue Anker in Sicht sind. Repertory Grids sind ein Mittel, das aktuelle Konstruktsystem zu erheben, Konstrukte und ihren Wert für die Persönlichkeit oder die Organisation zu identifizieren (was ist das, was uns im Innersten zusammenhält?) und zu erkennen, welche Konstrukte in Bezug auf die aktuelle Situation hilfreich sind und welche bremsen. Mittels Grids kann auch in zeitlichem Abstand Veränderung "gemessen" werden, nämlich in der Art und Weise, wie sich Konstrukte verändert haben.

Erhebungsprozess

Die Repertory Grid-Technik (Repertory Grids) wurde von Kelly ursprünglich entwickelt, um persönliche Konstrukte zu Rollen zu erfassen. Heute ist es eine Technik, die eine unendliche Breite von Einsatzgebieten hat: Marketing, Tourismus, Pädagogik, Expertensysteme, Beratung, Unternehmenskultur u.v.m..

Das klassische Vorgehen nach Kelly besteht aus drei Schritten:

  1. Auswahl der Elemente,

  2. Erhebung der Konstrukte und

  3. Rating: Bewertung der Elemente hinsichtlich der Konstrukte.

Auswahl der Elemente

Zunächst werden die Elemente ausgewählt, d.h. Bedeutungsträger eines bestimmten Lebensbereichs. Das können Dinge, Personen, Entscheidungsoptionen, (kritische) Situationen, aber auch abstraktere Einheiten sein. Die Elemente sorgen dafür, dass Wissen über den entsprechenden Bereich erhoben wird, der interessiert.

Wichtig ist bei der Elementauswahl, dass solche Elemente gewählt werden,

  • denen die befragten Personen tatsächlich eine Bedeutung hinsichtlich des Themas des Grids zuschreiben,

  • die den befragten Personen bekannt sind,

  • die eine gute Bandbreite an möglichen Elementen abdecken,

  • die miteinander vergleichbar sind.

Erhebung der Konstrukte

Für die Erhebung der Konstrukte werden der befragten Person jeweils drei Elemente (z.B. drei Projekte der ProjektleiterIn oder drei Autos der KonsumentIn) vorgelegt und nach deren Ähnlichkeit und Unterschied gefragt. Dies wird triadisches Vorgehen genannt, weil man immer von drei Dingen startet. Es wird dabei nicht nur erhoben, was das Gemeinsame von zwei der drei ist, sondern auch, was der Gegenpol, also was das dritte ist. Erst Konstruktpol und Kontrastpol zusammen spannen den gesamten Bedeutungsraum auf. Das Vorlegen von immer wieder neuen Triaden und das anschließende Fragen nach Ähnlichkeit und Unterschied wird solange wiederholt, bis keine neuen Konstrukte mehr genannt werden können. Der Einsatz von Kärtchen für die Elemente hat sich bewährt, um an Tiefenwissen zu gelangen.

Rating

Abschließend werden alle Elemente bezüglich aller erhobenen Konstrukte von der befragten Person bewertet, inwiefern für jedes Element eher der Konstruktpol oder eher der Kontrastpol zutrifft. Oft finden hier 5 oder 6-stufige Ratingskalen Einsatz.

Auswertung

Die Auswertung der Repertory Grids kann qualitativ und quantitativ erfolgen. Qualitativ stehen verschiedene inhaltsanalytische Verfahren zur Verfügung. Darauf aufbauend können mit Kontingenz- oder Äquivalenzanalyse Zusammenhänge zwischen den gebildeten Kategorien untersucht und dargestellt werden (welche Kategorie tritt wie häufig mit einer bestimmten anderen Kategorie zusammen auf, welche Kategorien schließen sich gegenseitig aus).

Quantitativ können die bewerteten Grids einer Clusteranalyse oder Hauptkomponentenanalyse unterzogen werden. Die Clusteranalyse versucht die Elemente oder die Konstrukte anhand der Bewertungen nach Ähnlichkeit in sogenannte Cluster zusammenzufassen. Die Hauptkomponentenanalyse ist eine Faktorenanalyse, die versucht, zugrundeliegende Dimensionen des Konstruktsystems der Person zu erkennen und darzustellen. Dies sind nur einige Verfahren, es gibt noch zahlreiche weitere.

Vorteile der Repertory Grids gegenüber bisherigen Wissensakquisitionsverfahren sind aus meiner Sicht der Prozesscharakter des Verfahrens. Damit wird die Repertory Grid Technik der Dynamik von organisationalen Prozessen gerecht, da sie dynamisch eingesetzt Veränderungen abbilden kann. Repertory Grids eignen sich auch, zunächst nicht sichtbare und fassbare Elemente und Tätigkeiten, implizites Wissen leichter zu (er)fassen.

 

 

 

 02 
 
Was ist Data Mining und Predictive Analytics in qualitativen Tiefeninterviews mit Repertory Grid?

Wer qualitative Interviews führt, schürft nach Tiefenwissen, wie oben beschrieben. Wir haben durch die Vergleichselemente den positiven Effekte, dass die Befragten sich Gedanken machen, wie eine Verbesserung sein kann. Wir sprechen hier von einer sog. Transition, das ist etwas, das man sich vorstellen kann, etwas gedachtes. Abgeleitet wird dies aus erfahrenen und erlebten Situationen der Unter- und Überforderung. Unser Gehirn ist hier in der Lage, neue Lösungen zu antizipieren und kreativ zu erschaffen. Über Musterbildungen in kollektiven Systemen fördern wir diesen Prozess zusätzlich.

 

Ein entscheidendes Moment in einer vernetzten Welt ist die Orientierung am denkbaren Ideal!

Wir sehen hier große Parallelen zu den wissenschaftlichen Ansätzen von Otto Scharmer und Peter senge vom MIT. Theory U und Lernende Organisation haben in den Veröffentlichungen eine relevante Überschneidung.

rep:grid ist die die entsprechende Software und Methode, um beides in der Praxis einzusetzen und in Nutzen zu transferieren.

 

 03 
 
Was ist Menschenkenntnis?

Menschen zu sehen und zu verstehen, sie sich selbst zu erkennen​ ist tief in uns Menschen veranlagt.

Unter „Menschenkenntnis“ verstehen wir „Kenntnis des Menschen“ in allen seinen Erscheinungsformen, also Psychophysiognomik.


Menschenkenntnis ist

  • die Wissenschaft vom Ausdruck der Formen und Farben, der Spannungen und der Bewegungserscheinungen beim Menschen, also

  • die Lehre vom Ausdruck der Körper-, Kopf-, Gesichts- und Augenformen, der Mimik, der Gestik, der Gebärden, der Körperbewegungen, der Körperhaltungen, der Körperstellungen und der Sprache sowie aller Leistungen;

  • die Lehre vom Ausdruck der Persönlichkeitsmerkmale, der kognitiven Fähigkeiten, der Talente und Begabungen, der sozialen Fähigkeiten sowie der Persönlichkeitsstörungen;

  • die Psychologie, die sich aus der Anwendung der vorstehenden Bereiche ergibt.

Menschenkenntnis ist ein breit angelegtes Wissensgebiet. Methoden- und Prinzipienreiterei sowie alle Einseitigkeiten liegen ihr fern.

Selbsterkenntnis ist die Erkenntnis einer Person über das eigene Selbst. Selbsterkenntnis ist eng verwandt mit Selbstreflexion, dem Nachdenken über sich selbst (Selbstbeobachtung), und der Selbstkritik, dem kritischen Hinterfragen und Beurteilen des eigenen Denkens, der eigenen Standpunkte und Handlungen. Die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis setzt die Existenz von Selbstbewusstsein voraus, welches man als „reflexives, besonnenes Bewusstsein des eigenen Ich“ definieren kann. Selbsterkenntnis setzt damit eine gewisse Objektivität der Selbstbeobachtung und des Selbstbildes voraus, das heißt die „richtige Beurteilung der Eigenschaften, Dispositionen, Kräfte, Werte des Selbst, geschöpft aus der Vergleichung der Betätigungen und Reaktionen des Ich im Leben, in der sozialen Gemeinschaft.“ 

Selbsterkenntnis ist eine grundlegende menschliche Fähigkeit, die außer von der Philosophie unter anderem auch von der Psychologie und insbesondere von der Verstehenden Psychologie untersucht wird. Sie ist auch Grundlage der Intersubjektivität, also des Verstehens von anderen Menschen, und damit eine wichtige Voraussetzung für ein funktionierendes soziales Zusammenleben. Das Gegenteil von Selbsterkenntnis ist Selbsttäuschung.

 

 

 

 04  Wie kann man selbsterschaffene, selbstreferenzielle, autopoetische Systeme steuern und intervenieren

Die Systemtheorie nach Luhmann

Die Systemtheorie nach Luhmann ist eine philosophisch-soziologische Kommunikationstheorie, mit der die Gesellschaft universell erklärt werden kann. Die Theorie soll die soziologische Struktur in seiner gesamten Komplexität erfassen. Nach Luhmann besteht das System nicht aus seinen Elementen, sondern aus den Relationen der Elemente zueinander. So gilt die Kommunikation nach Luhmann als gesellschaftskonstituierender Prozess. Ein System kann zum einen selbst herstellen, verfolgt also das Konzept der Autopoiesis, zum anderen kann es sich und andere Systeme im abstrakten Sinne beobachten. Das Beziehungsgeflecht der Elemente untereinander ist dabei nicht beliebig, sondern unterliegt dem Prozess der Steuerung. Luhmann nennt dies Konditionierung.

Wenn die Verknüpfungskapazität eines Elementes sein Maximum erreicht, entsteht ein Komplexitätsproblem, welches das System durch Selektion der wichtigen Verbindungen löst und so seinen Fortbestand sichert. Alles was sich außerhalb des Systems befindet, nennt man Umwelt – dies allerdings nicht im Sinne von Bäumen und Vögeln, sondern im abstrakteren Sinne. Das System besteht dabei durch seine Differenz zur Umwelt. In der Umwelt können wiederum andere Systeme auftauchen. Umwelt und Systeme bedingen sich gegenseitig. Soziale Systeme bestehen also aufgrund von Kommunikation.

Nach Luhmann ist ein dreistelliger, selektiver Vorgang vonnöten: Im ersten Schritt erfolgt die Wahrnehmung und Selektion der Information durch »Alter«. Alter muss danach eine Information zur Kommunikation auswählen und eine Form bestimmen. Im dritten und letzten Schritt muss »Ego« verstehen, dass es sich um einen Kommunikationsprozess handelt, dabei wird nicht vorausgesetzt, dass er das Kommunizierte inhaltlich versteht.

In drei Punkten erläutert Luhmann auch die Unwahrscheinlichkeit von Kommunikation: Da wäre zum ersten das Verstehen des Prozesses der Kommunikation. Zweitens: Das Erreichen des richtigen Adressaten und letztendlich drittens: Erfolg der Information – also die Akzeptanz und Annahme der Mitteilung und der Anschluss weiterer Kommunikation.

Um die Unwahrscheinlichkeit zu vermindern, hat die Gesellschaft mehrere Einrichtungen (Systeme) geschaffen: Die Unwahrscheinlichkeit des Verstehens wird dabei durch Sprache reduziert, Medien zur Verbreitung von Informationen mindern die Unwahrscheinlichkeit, seinen Adressaten zu erreichen. Die Unwahrscheinlichkeit des Erfolgs der Information wird durch generalisierte Kommunikationsmedien reduziert. Nach Luhmann dienen Massenmedien also dem Erhalten der Gesellschaft und sind selber ein System in der Gesellschaft. Massenmedien sind »…alle Einrichtungen der Gesellschaft,[…] die sich zur Verbreitung von Kommunikation technischer Mittel der Vervielfältigung bedienen…«, dabei verhindert die Technik die direkte Interaktion zwischen Sender und Rezipient, was wiederum komplexitätsreduzierend wirkt. Die von Massenmedien konstruierte Realität gilt dabei gleich doppelt: Zum einen natürlich für die eigene Systemrealität, zum anderen wird auch eine gesamtgesellschaftliche Realität konstruiert, die in anderen Systemen bei Kommunikationen als verbindlich vorausgesetzt werden kann und auf diese Systeme somit komplexitätsreduzierend wirkt.

Man kann hier sehr schön feststellen, dass die Massenmedien also die Komplexität reduzieren, weil sie eben Themen zur Kommunikation für die Gesellschaft auswählen und die Elemente der Gesellschaft (also die Personen, die in der Gesellschaft leben) aus der Vielzahl der möglichen Themen nun eine Auswahl geboten bekommen, die eine Kommunikation mit anderen Personen (bzw. Elementen) erleichtert, weil deren Realität ebenfalls durch Massenmedien konstruiert wird. Die Möglichkeiten wurden vorselektiert.

 

 

 

 05  Wie amortisieren sich Investitionen in Projekte für Kultur- und Systemanalysen?

Fragen Sie nach Referenzen, das ist sehr einfach!

Wir hatten noch kein Projekt, das sich nicht binnen 6 Monaten gerechtet hat.

© 2019 Welles & Welles GmbH & Co. KG